Das verkorkste Date

„Endlich mal wieder ein bisschen Zeit als Paar“, dachte ich mir gestern Abend. Freudig habe ich Baguette, Ofenkäse, frische Ananas und ein paar andere Leckereien besorgt. Der Wein war ebenfalls kalt gestellt – der leckere Riesling, den wir uns im Sommer auf dem Straßenfest gekauft haben und es bisher nie eine Gelegenheit gab, ihn zu trinken.

Mit meiner Tochter hatte ich den Deal, dass sie früh auf ihr Zimmer geht, obwohl die Kinder freitags immer länger aufbleiben dürfen. Mein Sohn wartete auf seinen Übernachtungsgast, der allerdings erst am späten Abend kommen sollte, weil er vorher noch unterwegs war. Also, alles geregelt. Es hatte den Anschein, dass wir einen ruhigen und entspannten Abend haben und gemütlich zusammen essen und einen tollen Film schauen würden.

Dies zögerte sich allerdings bereits mit dem Essenswunsch meiner Tochter hinaus. Sie hatte sich YumYum gewünscht. Ja, ich weiß! Furchtbar ungesund, dieses Zeug. Dennoch hat sie es bekommen. Und gegessen, und gegessen, und gegessen … Jede Nudel einzeln. Es dauerte und dauerte. Das mit dem „früh raufgehen“ schob sich somit gefühlt unendlich nach hinten. Mein Magen hing mir bereits in den Kniekehlen.

Irgendwann war es dann aber soweit. Die Kinder waren in ihren Zimmern und der romantische Abend zu zweit konnte beginnen. Denn, sind wir mal ehrlich, sowas macht man viel zu selten. Wenn die Kinder abends im Bett sind, setzt man sich in der Regel bloß noch vor den Fernseher, um fünf Minuten später tief und fest einzuschlafen. So sollte es dieses Mal aber nicht sein. Zumindest war das der Plan.

Also, unser Essen stand bereits auf dem Tisch und uns lief das Wasser im Mund zusammen. Nur einen Film mussten wir noch auswählen. Das dauerte ein bisschen, doch dann waren wir uns einig. Es sollte etwas Spannendes sein. Nach etwa zwanzig Minuten stellten wir jedoch fest, dass die Storyline total an den Haaren herbeigezogen war. Kurzerhand schalteten wir den Film ab und mussten etwas Neues aussuchen. Die Wahl fiel schließlich auf A Long Way Down, und der Film schien sehr vielversprechend zu sein.

Nach gerade einmal acht Minuten erlitt mein Sohn einen kleinen Nervenzusammenbruch, als er erfuhr, dass sein Freund krank geworden war und somit nicht kommen konnte. Die Enttäuschung war riesengroß und er wusste nichts mehr mit sich anzufangen. So bot ich ihm an, den Film gemeinsam mit uns anzusehen, denn ich wusste weder ihm noch mir nicht anders zu helfen. Dann fiel ihm jedoch ein, dass er ja noch nichts gegessen hatte, weil er das eigentlich zusammen mit seinem Kumpel machen wollte. Also hat mein Mann ihm schnell etwas in den Ofen geschoben, und der Sohn hat derweil dessen Platz neben mir auf dem Sofa eingenommen. Weggegangen, Platz vergangen! Zu allem Überfluss hatte mein Mann das falsche Essen kredenzt. Anstatt Knoblauchbaguette servierte er ein Hawaii-Baguette. Der klassische Fall von Kommunikationsproblemen.

Wenn ich mich recht erinnere, wurde daraufhin direkt noch ein Knoblauch-Baguette nachgelegt. Doch ehrlicherweise habe ich davon nicht mehr allzu viel mitbekommen, denn ich war bereits mehr oder weniger weggetreten. Wein traf auf Müdigkeit. Ich hätte wissen müssen, wie das endet.

Wach wurde ich erst wieder, als zu guter Letzt noch unsere Tochter zu uns gestoßen ist. Mittlerweile war es schon halb elf. Sie hat sich schließlich auf noch dazu gesetzt, und so wurde aus dem romantischen Abend zu zweit eben doch wieder ein Familienabend.

Das ist das Leben.

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