Elefanten sind gerade ausverkauft!

Viele Paare warten ewig darauf schwanger zu werden. Bei uns war das nicht so. Im Gegenteil. Mein Mann hat mich ein Mal angeguckt und Schwups – da war es schon passiert! Das ging fast ein bisschen zu schnell, und anfangs waren wir … Tja, wir haben uns gefreut, aber es war auch irgendwie surreal. Das wochenlange Warten auf den ersten Ultraschalltermin hat es nicht gerade besser gemacht. Und dann sah man dort nicht viel mehr als ein kleines Gummibärchen. Kaum vorstellbar, dass daraus mal ein echtes Baby werden soll!

Aber das sollte nicht lange so sein. Ich war gerade einmal in der 18. Woche, da sah ich bereits aus, wie andere Frauen im 7. Monat. Man hatte mich deshalb schon gefragt, ob wir einen Elefanten bekommen würden. Sehr charmant, findet Ihr nicht? Ob es einen Rüssel hatte oder nicht – diese Frage blieb leider lange unbeantwortet!

Mit dem Bauch wuchs die Freude, und ich bin kurzerhand in einen Kaufrausch gefallen. Ich schätze, das geht allen Müttern so. Was die Sache erschwert hat: Wir hatten nun mal keine Ahnung ob rosa oder blau – um mal in Klischees zu denken. Lange blieben wir im Ungewissen, als hätte sich der kleine Stinker gedacht: „Ihr könnt mich mal!“ So hat er seine Identität weiterhin versteckt. Nach jedem Ultraschall war ich enttäuscht.

Inzwischen sah ich aus wie ein Walross, fühlte mich jedoch eher wie ein Pottwal. Ich konnte meine Füße nicht mehr sehen, wenn ich irgendwo lag, kam ich nicht mehr hoch, wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt, nach vier Stufen hinauf litt ich schon an Schnappatmung, ich hatte gequetschte Rippen und musste meinen Körper in Zelte hüllen – und dann endlich, beim allerletzten Termin hat er uns sein bestes Stück gezeigt!

Jetzt sollte es nicht mehr lange dauern, bis wir ihn endlich auf dieser Welt begrüßen könnten. Ich hatte das Gefühl, dass er sich auf jeden Fall früher auf den Weg machen würde, als geplant. Ein Trugschluss! Reines Wunschdenken! Die letzten zwei Wochen zogen sich wie Kaugummi, und ich hatte einfach keine Lust mehr. Einen Tag vor dem errechneten Termin meinte er dann, seine Schutzhülle zertrümmern zu müssen und mitten in der Nacht machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich absolut keine Angst vor der Geburt und war völlig tiefenentspannt. In nur wenigen Stunden würde ich ihn in den Armen halten. Dachte ich. Doch die Ironie lachte mir mitten ins Gesicht! Er quälte mich ganze drei Tage und dachte sich scheinbar: „Ich bleib lieber wo ich bin!“

Sagte ich gerade, ich war tiefenentspannt? Vergesst das! Mit jeder Stunde wurde meine Laune schlechter und meine Angst größer. „Gegen die Schmerzen können wir Ihnen leider nichts geben, sonst lassen die Wehen nach!“, sagten mir die Ärzte dann auch noch. Immer wieder. Herzlichen Dank. Zwei Mal wurde die Geburt eingeleitet. Weil es dennoch nicht voran ging, waren die Ärzte für einen Kaiserschnitt!

Dialoge, die ich daraufhin führte:

„Ja, bitte!“

„Ach nein, da tut sich doch etwas … Wir warten noch!

„Ich will einen Kaiserschnitt! Bitte!“

„Nein, halten Sie durch!“

„Okay, was bleibt mir anderes übrig?“

Ich kam an den Wehentropf, als letzte Option. Ein paar Stunden später war der Kaiserschnitt dann doch wieder eine Option für die Ärzte. Und für mich erst! Aber das wurde kurze Zeit später wieder revidiert, nachdem der Wehentropf noch mal voll aufgedreht wurde. Das war ein Spaß! Kaum wartet man drei Tage, geht es auch tatsächlich los! Und wie! Ich werde das an dieser Stelle nicht näher erläutern, aber nach gefühlt 95 Presswehen stand für mich fest, dass ich sowas nie, nie wieder erleben will!

Aber da war er nun! „Sie haben einen gesunden Sohn!“ Das war das Beste, was die Ärzte in den letzten drei Tagen zu mir gesagt haben! Glück gehabt! Elefanten waren wohl gerade ausverkauft! Wir hielten ein wunderschönes, schrumpeliges, kleines Baby im Arm, das herzzerreißend schrie.

Er fand das Ganze scheinbar gar nicht witzig! Da lag er nun auf meinem Bauch, brüllte mich lauthals an, und hatte sich offenbar fest vorgenommen, damit in der nächsten Zeit auch nicht mehr aufzuhören. Okay, ich würde auch protestieren, wenn man mich einfach aus meinem kuscheligen, warmen Nest herauszerren würde … Aber an das Leben außerhalb seiner zu klein gewordenen Einraumwohnung würde er sich schon gewöhnen …

Hauptsache, Du warst endlich da!

2 Gedanken zu “Elefanten sind gerade ausverkauft!

  1. Da sprichst du sicherlich vielen Mami’s aus der Seele 😉
    Aber seien wir mal ehrlich: Euer „kleiner Elefant“ hat sich doch super gemacht und dafür haben sich Qualen doch allemal gelohnt 😍

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