Unseren Sommerurlaub 2025 haben wir nach langen Überlegungen – und zu meiner großen Freude – in England verbracht. Nachdem wir im Herbst 2022 in Cornwall und 2024 in Schottland waren, lässt mich Großbritannien nicht mehr los. Nun war es aber so, dass die Kinder gerne im Sommer ans Meer wollten. Kurzzeitig stand Frankreich zur Debatte, aber letztendlich konnte das weder meinen Mann noch mich so richtig überzeugen. Und die Niederlande waren auch raus, weil wir dort, laut Aussage meines Sohnes, schon viel zu oft gewesen sind. Die südlicheren Länder wie Italien oder Kroatien sind mir persönlich im Sommer viel zu heiß – und so kamen wir schließlich wieder in England aus.
Da wir nicht endlos weit fahren wollten, haben wir letztendlich Hastings in East Sussex als unser Reiseziel auserkoren. Es liegt an der Südküste am Ärmelkanal und ist von Dover aus in etwa eineinhalb Stunden zu erreichen. Wie schon bei unseren letzten Reisen auf die britische Insel, haben wir uns für eine Überfahrt mit der Fähre entschieden.
Ich liebe einfach diese Aussicht, wenn man auf die weißen Klippen von Dover zufährt.
Etwa zwei Stunden, nachdem wir die Fähre verlassen haben, konnten wir unsere hübsche Ferienwohnung in St Leonards-on-Sea beziehen. Das Highlight ist definitiv der Meerblick.
Leider gab es auch einen großen Nachtteil: Die Parkbuchten entlang der Straße waren ausschließlich für Anwohner reserviert, sodass wir jedes Mal einen Fußweg von circa fünf Minuten zum nächstgelegenen Parkplatz zurücklegen mussten – und zwar steil bergauf. Zudem war der Parkplatz mit 11 Pfund pro Tag leider auch kein Schnäppchen. Aber genug beschwert! Die Wohnung war hübsch, die Aussicht genial, der Strand lag direkt vor der Tür, und die Nähe zur Altstadt und anderen Attraktionen in Hastings war mit circa fünfzehn Minuten Fußweg auch ziemlich gut. Und jetzt möchtet Ihr sicher wissen, was wir alles gesehen und erlebt haben.
Was gibt es in Hastings zu entdecken?
Hastings hat überraschend viel zu bieten. Diese Vielfalt „auf einem Knubbel“ hat mich wirklich erstaunt. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Stadt sehr touristisch ist. Aber das ist nicht alles: Auch Geschichte kommt in Hastings nicht zu kurz.
Pier
Beginnen wir mit dem Hastings Pier, einer Seebrücke an der Grenze zum Stadtteil St Leonards. Er wurde ursprünglich im Jahr 1872 eröffnet und für Konzerte und Theateraufführungen genutzt. Im Jahr 2010 fiel die bereits verfallene Seebrücke einem Brand zum Opfer, wurde jedoch wieder aufgebaut und 2016 neu eröffnet. Heute haben dort Restaurants und Cafés einen Platz, ebenso wie verschiedene Attraktionen für Kinder, wie Bungee-Trampolin, eine kleine Achterbahn und andere Fahrgeschäfte.
Flamingo Park
Wo wir schon bei Fahrgeschäften sind, erzähle ich Euch auch gleich vom Flamingo Park, einem traditionellen Küsten-Vergnügungspark für Kinder und Familien mit Karussells, Mini-Achterbahnen und einem Riesenrad. Hier kann man mit Kindern unfassbar viel Geld lassen, denn wenn man sie nicht gerade mit Scheuklappen durch die Stadt lotst, kommt man nur schwer an diesem Park vorbei.
Adventure Golf und Beach Playground
Bleiben wir bei den Attraktionen für Kinder. Direkt am Strand gibt es einen wirklich wunderschönen Spielplatz, auf dem jedoch immer ziemlich viel los ist, und gleich daneben befindet sich eine richtig coole Adventure Golf-Anlage.
Smugglers Adventure
Geschichte für Kinder gibt es beim Smugglers Adventure. In den St Clemens-Caves wird die Geschichte des Schmuggels und der Piraterie im 17. und 18. Jahrhundert an Englands Südküste erzählt. Es handelt sich um eine interaktive Ausstellung, die zum Mitmachen einlädt.
Das Museum befindet sich auf dem West Hill, wo unter anderem auch ein Spielplatz sowie die Ruinen von Hastings Castle zu finden sind. Von dort oben hat man einen wunderschönen Blick auf den Ärmelkanal und die Stadt. Lasst Euch diese Aussicht nicht entgehen.
East Hill & West Hill Cliff Railway
Ihr müsst den West Hill übrigens nicht unbedingt zu Fuß erklimmen. Nach oben bringt Euch nämlich auch der West Hill Lift – eine historische Standseilbahn, welche 1891 in Betrieb genommen wurde und auf einer Strecke von 150 Metern einen Höhenunterschied von 52 Metern überwindet.
Ähnlich ist es mit der East Hill Cliff Railway, der steilsten Standseilbahn im Vereinigten Königreich, die ihre Fahrgäste von der Altstadt zum Hastings Country Park befördert. Diese wurde 1902 eröffnet, jedoch zwischenzeitlich modernisiert und 2010 wiedereröffnet.
Hastings Country Park
Ein Ausflug in den Hastings Country Park lohnt sich vor allem für Natur- und Wanderfreunde. Wir sind zu einer kurzen Wanderung von knapp 3,5 Kilometern aufgebrochen. Zunächst ging es durch ein verwunschenes Waldstück, anschließend über Treppen steil bergauf mit tollen Ausblicken aufs Meer. Eine perfekte kleine Auszeit im Grünen.
Aquarium
In Hastings gibt es auch ein Aquarium, was eine gute Alternative für einen Regentag ist. Der Eintritt ist nicht gerade günstig, aber das gilt leider für die meisten Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in Großbritannien. Die Anlage ist recht klein, dementsprechend zügig ist man durch. Trotzdem hat es uns gut gefallen. Die bunten Meeresfische, die Reptilien und besonders der Unterwasser-Tunnel sind toll anzusehen.
The True Crime Museum
Das True Crime Museum ist nichts für schwache Nerven, aber die Kinder wollten es sich auf keinen Fall entgehen lassen. Hier erfährt man alles über die Welt von Serienmördern, Gangstern und mehr.
Altstadt
Die Altstadt von Hastings hat es mir angetan. Die George Street mit ihrer historischen Architektur ist absolut sehenswert. Urige Kneipen und Cafés sowie hübsche kleine Läden mit bunten Fassaden und viktorianischer Eleganz, machen sie zum magischen Herzen der Hastings Old Town.
The Net Shops
Diese historischen schwarzen Holzschuppen in Hastings sind einzigartig und wurden von Fischern zur Aufbewahrung ihrer Netze und Seile genutzt. Da der Platz im Hafen begrenzt war, wurden sie in die Höhe gebaut. Sie stammen aus dem viktorianischen Zeitalter, sind meist zwei- oder dreistöckig und besitzen teilweise sogar einen Keller. Heute stehen sie noch immer als Zeitzeugen an ihrem Platz und sind wirklich etwas Besonderes.
Fishermen’s Museum
Direkt nebenan befindet sich das Fishermen’s Museum. Dieses kleine Museum ist der Fischerei und der maritimen Geschichte der Stadt gewidmet. Und das Beste: Der Eintritt ist kostenfrei.
Shipwreck Museum
Ebenfalls kostenfreien Eintritt gibt es im Shipwreck Museum, welches sich gleich um die Ecke befindet. Es beherbergt unter anderem Exponate von dem 1677 erbauten Kriegsschiff Anne und dem niederländischen Ostindienfahrer Amsterdam, welcher am 26. Januar 1749 in Hastings strandete. Außerdem gibt es noch weitere Artefakte von Schiffswracks aus aller Welt. Für Kinder gibt es hier unter anderem Rätsel zu lösen oder auch Bilder zum Ausmalen.
Strände
Nun habe ich Euch lang und breit erzählt, was Hastings alles zu bieten hat, aber das Wichtigste beinahe vergessen. Schließlich war der ursprüngliche Grund dieser Reise die Nähe zum Meer. Hastings liegt am Ärmelkanal, und ihr ahnt es vermutlich schon: Das Wasser ist recht frisch. Im Juli schwanken die Wassertemperaturen zwischen 14º und 17º Grad, von August bis Anfang September steigt die Temperatur auf maximal 18º Grad.
Hastings Beach
Bei Flut findet man hier hauptsächlich Kies. Sandburgen bauen kann man daher nur bei Ebbe, und auch baden gehen empfehle ich nur dann. Zwischen Juli und September werden die Strandabschnitte Pelham, Pier und Marina von Rettungsschwimmern überwacht.
St Leonards Beach
Hier ist deutlich weniger los als an den Strandabschnitten von Hastings, dafür gibt es aber keine Rettungsschwimmer vor Ort. Sich bei Flut in die hohen Wellen zu stürzen, macht großen Spaß, aber gerade mit Kindern empfehle ich, die Ebbe abzuwarten.
Rock-A-Nore Beach
Der Rock-a-Nore Beach ist das raue, ursprüngliche und faszinierende Ende von Hastings. Der Ausblick auf die schroffen Klippen, macht den Strandbesuch zu etwas Besonderem.
Camber Sands
Dieser Strand befindet sich zwar knapp vierzig Autominuten von Hastings entfernt, ist die Fahrzeit jedoch durchaus wert. Denn hier befindet sich der einzige Sandstrand mit Dünensystem in der näheren Umgebung. Für Familien mit Kindern ist das daher meine absolute Empfehlung. Es gibt Restaurants, Cafés und Shops, sowie Toiletten. Allerdings sind die Parkgebühren extrem hoch, und sie werden teurer, je näher man an den Strand fährt. Insgesamt gibt es drei Parkplätze, wenn ich es richtig im Kopf habe. Ein bisschen laufen schont demnach die Geldbörse.
In der Nähe
Es lohnt sich natürlich auch, Hastings zu verlassen und die nähere Umgebung zu erkunden, denn es gibt unglaublich viel zu entdecken.
Rye
Die Altstadt von Rye mit ihren Fachwerkhäusern, alten Gemäuern und den mit Kopfstein gepflasterten Gassen sollte man sich nicht entgehen lassen. Da sich das hübsche Städtchen in der Nähe des Sandstrands Camber Sands befindet. kann man einen Besuch wunderbar kombinieren. In der Stadt befinden sich einige Restaurants, die zu einer gemütlichen Einkehr einladen, sowie viele schöne Geschäfte, in denen es sich wunderbar stöbern lässt.
Rye Castle
Wenn man schon in Rye ist, sollte man sich auch einen Besuch in Rye Castle nicht entgehen lassen. Die Burg, der Ypres Tower, wurde 1249 zum Schutz gegen Überfälle der Franzosen errichtet. Im 19. Jahrhundert wurden mehrere Zellen angebaut. Es gibt außerdem einen Kräutergarten und den sogenannten Frauenturm, einem extra für weibliche Gefangene errichteten Gefängnis aus dem Jahr 1837. Im Untergeschoss der Burg gibt es für Kinder Möglichkeiten zum Verkleiden.
Hastings Battlefield & Battle Abbey
Meiner Meinung nach kann man nicht nach Hastings reisen, ohne sich mit der Geschichte dieser Stadt, beziehungsweise des ganzen Landes zu beschäftigen. Im Jahr 1066 eroberte der normannische Herzog Wilhelm, bekannt als Wilhelm der Eroberer bzw. William the Conqueror, in der Schlacht von Hastings den englischen Thron, indem er König Harald II. besiegte. Und den Ort dieses Geschehens haben wir natürlich besucht. Man kann hier über das Schlachtfeld laufen und anhand von Infotafeln alles über den Ablauf der Schlacht erfahren.
Außerdem kann man die Ruine von Battle Abbey besichtigen. Die Abtei wurde von Wilhelm dem Eroberer im Jahr 1070 als Denkmal für die Gefallenen und als religiöses Sühneopfer für das Blutvergießen während der normannischen Eroberung erbaut. Der Hochaltar der Abteikirche wurde exakt an der Stelle errichtet, an der König Harald II. in der Schlacht gefallen sein soll.
Für Kinder gab es übrigens mehrere Stationen mit Rätseln und Spielen. Das hat diesen Ausflug zu einem Highlight für die ganze Familie gemacht.
Battle
In Battle selbst kann ich Euch einen Besuch in Burtons Restaurant & Tea Rooms empfehlen, allein schon aus dem Grund, weil es völlig aus der Zeit gefallen ist.
Auch einen Besuch im Battle Museum of Local History kann ich empfehlen. Es ist wieder eines dieser kleinen, kostenfreien Museen. Da die Ehefrau des Betreibers ursprünglich aus Deutschland kommt, konnten wir noch viele interessante Zusatz-Infos bekommen. Außerdem gibt es dort echte Fußabdrücke und Knochenfragmente des Iguanodon und weitere Fossilien aus der Kreidezeit zu sehen.
Seven Sisters & Beachy Head
Mein persönliches Highlight unserer Reise war definitiv unsere Wanderung von den Seven Sisters zum Beachy Head. Die weißen Kalkklippen, die sich in sanften Hügeln aneinanderreihen, sind einfach wunderschön anzusehen. Und der Beachy Head ist mit 162 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Kreidefelsen in Großbritannien. Im Meer vor dem Beachy Head wurde 1902 ein 43 Meter hoher Leuchtturm erbaut, der im Vergleich zur Klippe winzig erscheint. Jedenfalls konnte ich mich an dem Anblick der weißen Klippen kaum sattsehen. Es ist einfach ein zauberhafter Ort.
The White Cliffs of Dover
Ähnlich schön sind auch die weißen Kippen von Dover. Wir haben den Tag unserer Abreise genutzt, um noch einen kleinen Spaziergang entlang der Klippen zu machen. Von dort oben konnten wir sogar sehen, wie unsere Fähre im Hafen einlief.
Außerdem haben wir vor unserer Abreise noch einen Abstecher nach London gemacht. Davon erzähle ich Euch hier.
Fazit
Hastings hat zwar nicht den Vibe wie Cornwall oder auch Schottland, es ist deutlich geschäftiger, dennoch haben wir dort eine schöne Zeit verbracht. Man kann in dieser Region viel unternehmen, und auch die Natur, wie zum Beispiel an den Seven Sisters, ist wunderschön. Auch über das Wetter konnten wir uns nicht beschweren. Zwar hatten wir zwei stürmische Tage dabei und auch ein wenig Regen, aber bei Temperaturen zwischen 19º und 24º Grad ließ es sich wunderbar aushalten.
Video
Schaut dieses Video an für noch mehr Eindrücke.



























[…] unserem zehntägigen Aufenthalt in Hastings wollten wir den Kindern den Wunsch erfüllen, nach London zu reisen. Nun ist es so, dass man sich […]