Bin ich bloß gaga – oder sind das schon die Wechseljahre?

Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme. Das sind nur ein paar wenige Symptome einer langen Liste, die meinen Alltag seit Jahren begleiten. Mit Hashimoto und Fibromyalgie habe ich mich schon fast daran gewöhnt, dass mein Körper nicht so funktioniert, wie ich es mir eigentlich wünschen würde. Dass ich jeden Morgen wie gerädert aufwache. Dass ich schneller erschöpft bin als andere. Dass ich Schmerzen habe. Dass ich es nicht schaffe, abzunehmen. Dass mein Kopf oft wie in Watte gepackt ist.

All das habe ich bisher immer auf meine vorhandenen Erkrankungen geschoben und selbstverständlich mehrfach meinen Arzt darauf angesprochen, dass irgendetwas nicht stimmen kann. Dass die Schilddrüse falsch eingestellt sein muss, weil die Symptome nach wie vor so ausgeprägt sind. Aber die Werte liegen „im Normbereich“, deshalb muss es mir laut Arzt eigentlich gutgehen. Doch so ist es nun mal nicht.

So kommen immer wieder Fragen in mir auf: Muss ich mich mehr zusammenreißen? Mehr Disziplin haben? Mehr schlafen? Noch weniger essen? Mich einfach damit abfinden? Oder sollte ich es vielmehr weiter hinterfragen?

Ein Gespräch, das alles ins Wanken brachte

Vor einer Weile habe ich mich mit einer Bekannten über ihre Erfahrungen unterhalten. Auch sie ist an Hashimoto erkrankt, kennt diese bleierne Müdigkeit, das diffuse Unwohlsein, die Gewichtszunahme, die Konzentrationsprobleme. Sie schob all das, ebenfalls wie ich, immer auf die Schilddrüse – bis sie ein Arzt darauf stieß, dass ihr Progesteron fehlt. Seitdem führt sie das Hormon zu.

Mir geht es so gut, wie schon seit Jahren nicht mehr!

Dieser eine Satz hat mich dazu gebracht, tiefer in mich hineinzuhorchen. Progesteronmangel. Wechseljahre. Hormonelles Chaos. Alles Dinge, die mir zwar ein Begriff waren, die ich aber bis dahin nie ernsthaft mit mir selbst in Verbindung gebracht hatte. Könnte das auch auf mich zutreffen?

Inzwischen weiß ich: Die Symptome decken sich auffällig mit denen einer Hashimoto. Da sind zum Beispiel die ständige Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf, Ein- und Durchschlafstörungen und die Tatsache, nie wirklich erholt zu sein. Aber auch vernebeltes Denken, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit, das Gefühl, geistig nicht richtig „da“ zu sein. Nicht zu vergessen: Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung, besonders an Bauch, Hüften und Oberschenkeln, ebenso wie ein aufgedunsenes Gefühl. Und auch auf die Psyche wirkt ein Mangel an Progesteron ähnlich wie Hashimoto, nämlich mit Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen, innerer Unruhe oder auch Angstgefühlen und emotionaler Überforderung.

Könnte das die Antwort sein?

Nachdem ich mich informiert habe, denke ich dauernd darüber nach, ob das die Antwort auf meine Fragen sein könnte. Denn nach genauerem Hinschauen sind mir weitere Dinge an mir aufgefallen, die dafür sorgen, dass sich dieser Verdacht erhärtet. Allen voran sind es die Veränderungen in meinem Zyklus, aber auch juckende Haut, verstärkter Haarausfall, die Tatsache, wie schnell mich Kleinigkeiten aus dem Gleichgewicht bringen, das Gefühl von Unwohlsein, wenn ich unter Menschen bin …

Der einzig logische Schritt war, mit meiner Frauenärztin darüber zu sprechen – und auch sie ist der Ansicht, dass ein Progesteronmangel auf mich zutrifft. Ich bin also doch nicht komplett ballaballa. Ich bilde mir diesen ganzen Mist nicht bloß ein. Das war schon mal beruhigend zu hören. Aber was ist die Konsequenz?

Die Ärztin hätte mir auf der Stelle Progesteron verschrieben, entweder als bioidentisches Progesteron oder aber als synthetisches Gestagen in Form einer Antibabypille. Gleichzeitig hat sie mich auch auf die Risiken hingewiesen, was mich selbstverständlich verunsichert hat. Deshalb bot sie mir zunächst ein pflanzliches Mittel mit Mönchspfeffer an, welches ich nun bereits seit einiger Zeit zu mir nehme. Seitdem konnte ich jedoch nur geringe positive Veränderungen wahrnehmen und denke immer wieder über die Frage nach: Soll ich es doch mit bioidentischem Progesteron versuchen? Was, wenn das tatsächlich die Lösung ist, mich wieder mehr wie ich selbst zu fühlen?

Im Moment überwiegen noch die Zweifel, aber ich spüre auch, dass sie leiser werden. Noch einmal werde ich den Arzt bitten, die Schilddrüse zu kontrollieren, auch wenn ich das Ergebnis bereits erahnen kann. Und bis zum nächsten Vorsorgetermin bei der Frauenärztin, werde ich mir intensive Gedanken darüber machen, in welche Richtung ich gehen werde.


Wie geht es euch? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Und habt ihr einen Weg gefunden, euer Hormon-Chaos zu bändigen?

3 Gedanken zu “Bin ich bloß gaga – oder sind das schon die Wechseljahre?

  1. Ich hatte diese Beschwerden auch, dazu Gelenksschmerzen, dass ich mich manchmal wie 80 fühlte. Dazu Hitzewallungen, die sehr unangenehm waren und ich ständig ein Ersatz Shirt mitnehmen musste. Ich habe mich vor 2 Jahren nach der Beratung beim Gynäkologen zu einer Hormonersatztherapie entschlossen und komme damit sehr gut zurecht. Ich bin jetzt 60. Ausschlaggebend war die Info des Arztes, dass manche Frauen die Wechseljahrbeschwerden bis über 80 haben. Kleiner Buchtip: Women on fire. Mönchspfeffer hat bei mir auch nicht wirklich was bewegt.

    • Hallo! Manche Frauen sollen die Beschwerden bis 80 Jahre haben? Das wäre ein Alptraum. Ich beginne nun mit bioidentischem Progesteron. Für Östrogen sei es noch zu früh, meint die Frauenärztin. Ich lasse mich mal überraschen. Das Buch Women On Fire habe ich bereits. 🙂 Liebe Grüße, Nadine

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